27.01.2010
Als Bühnenkünstler kennt man die unterschiedlichsten Garderoben: große, kleine, schicke, rustikale, von innen verschließbare oder von außen einsehbare, mit Frischblumen dekorierte Feng-Shui-Tempel oder unbeheizte Arrestzellen, in denen bereits 150 Pharao-Ameisen auf einen warten. Es ist wirklich alles dabei.
In der Kategorie der künstlerfreundlichen Qualitätsgarderoben habe ich eine neue Lieblingsgarderobe. Die „Bad Segeberg Suite“ im QUATSCH COMEDY CLUB Berlin.
Anfang des Jahres war ich erstmals im QCC zu Gast. Die Auftritte haben großen Spaß gemacht. Das Auftrittswochenende fing bereits gut an, als ich meine Garderobe betrat, besagte Original Bad Segeberg Suite. Ich muss gestehen, dass mir Themen-Garderoben bislang noch nicht begegnet sind. Aber man hätte mir als altem Winnetou- und Lassiter-Leser wirklich keinen größeren Gefallen tun können.
Wir erinnern uns: Bad Segeberg, der schleswig-holsteinische Austragungsort der alljährlichen Karl-May-Spiele. Hier ritten schon Pierre Brice, Gojko Mitic und ein gewisser Heinz Ingo Hilgers als Winnetou über die geräumige Freilichtbühne.
Im „Quatsch Club“ haben nun findige Dekorateure einen 20-qm-Raum in eine so was von wildwest-mäßige Blockhütte verwandelt, dass sogar Old Firehand und Nscho-tschi hellauf begeistert wären.
Was man bei oberflächlicher Betrachtung für die Blockhütten-Rückwand aus massiven Arizona-Redwood-Baumstämmen halten könnte, ist in Wirklichkeit eine perfekt getarnte Heizkörperverkleidung. Über dem Waschbecken wölbt sich ein naturgetreuer Silbersee-Uferfelsen in den Raum hinein. Wer will, kann in einem Wildwest-Sessel Platz nehmen, der aussieht, als habe darin bereits im Jahre 1865 der Bahnhofsvorsteher von Dodge City seine Mittagspausen verschlafen.
Sehr erstaunlich sind übrigens auch die anderen Garderoben: Las Vegas, Madison Square Garden und Moulin Rouge.